“Medicus curat, natura sanat” (Hippokrates: Der Arzt hilft, die Natur heilt) Im antiken, hippokratischen Verständnis galt die Natur als der Sitz der Lebenskraft. Krankheit wurde als ein Zustand, der eine Abweichung von der allgemeinen natürlichen Ordnung anzeigt, angesehen. Die Heilung von der Krankheit kann somit nur ein Wiederherstellen natürlicher Abläufe sein, wobei die Kraft zur Heilung aus dem Kranken selbst kommt und zur Unterstützung Kräfte aus der Natur eingesetzt wurden. Der Arzt ist somit kein Heiler, sondern ein Helfer. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Naturheilkunde von der damaligen wissenschaftlichen Medizin nicht zu trennen. Natürliche Heilweisen waren Grundbestand ärztlicher Erfahrung und Grundgerüst jeder Therapie. Ihre Erfolge haben diese Verfahren v.a. bei der Vorbeugung von Krankheiten, indem die natürlichen Ordnungsprozesse fortwährend unterstützt werden, und bei Krankheiten, deren Ursache in einer gestörten Körperregulation liegen. Bei schwerwiegenden und strukturellen Störungen zeigte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts die neue wissenschaftliche Medizin als eindeutig überlegen. Es konnten Krankheiten behandelt und kuriert werden, die vorher nicht selten tödlich endeten. Als Beispiel sei hier die Entdeckung des Penicillin durch Alexander Fleming 1928 aus dem Schimmelpilz Pencillium notatum und die Möglichkeit zur Behandlung von Lungenentzündungen aufgezeigt. Leider führten die Erfolge der wissenschaftlichen Medizin zu einer überwiegenden Technisierung unserer westlichen Heilkunde und der Kosten- und Effizienzdruck zu einer Einsparung von Zuwendung und Gesprächszeit, so dass die Analyse der Grundbedingungen von Krankheit, der gestörten biopsychosozialen Ordnung, nicht mehr stattfindet. Nicht selten fühlen sich hilfesuchende Menschen in unserem westlichen Medizinsystem nicht wahrgenommen und als Objekt einer großen Maschinerie. Als Wunschvorstellung für ein zukünftiges Medizinsystem sehen wir eine Harmonisierung der Fronten an. Es gilt primär den Menschen in seinem Lebensweg und seinem sozialen Kontext zu erfassen. Störungen von Körperfunktionen und deren Regulation, oft in Form von Befindlichkeitsstörungen geäußert, müssen gezielt diagnostiziert und vor dem Hintergrund des Lebensalltages interpretiert werden. Zudem müssen diejenigen Krankheiten mit moderner Bildgebung und Laboruntersuchungen diagnostiziert werden, die begleitend oder vorrangig mit Methoden der modernen westlichen Medizin behandelt werden sollten. Wir möchten mit unserem Praxismodel einen Beitrag in diese Richtung leisten. |
(Hippokrates: Der Arzt hilft, die Natur heilt)